Ihr Lieben,
es ist jetzt einige Zeit her und mit ein bisschen Abstand würde ich euch gerne von meiner Zeit in einem Geflüchteten-Camp in Griechenland mit Taten statt Warten berichten. Kurz zu mir, ich bin Mitte zwanzig, habe mich in meinem Jurastudium auf das Migrationsrecht spezialisiert und beschlossen, dieses Jahr ein zweites Mal als Freiwillige nach Griechenland zu fahren.
Anfang September bin ich in Griechenland angekommen. Dort bin ich zu unserer befreundeten Organisation foodKIND dazugestoßen, welche das ganze Jahr über in Griechenland humanitäre Hilfe leistet. Derzeit ist foodKIND in der Nähe von Athen ansässig. Sie versorgen dort zwei Geflüchteten-Camps mit einem warmen Mittagessen, das gemeinsam mit den Geflüchteten zubereitet wird, und gestalten ein Programm für die Kinder.
Ich selbst war zuvor noch nie in einem offiziellen Camp. Bei der letzten Fahrt haben wir die Geflüchteten direkt an der Fluchtroute unterstützt. Und auch die zweieinhalb Wochen vor Ort haben gerade einmal für einen ersten Eindruck gereicht. Dennoch möchte ich euch ein paar Erlebnisse schildern und von ein paar Fragen erzählen, die sich mir gestellt haben. Gerade wenn ihr überlegt, ähnliches zu unternehmen, kann dieser Bericht vielleicht hilfreich sein.
Das Camp, in dem ich mitarbeitete, beherbergt zur Zeit ca. 600 Menschen. Nach den Regeln der Camp-Leitung von IOM, eine große zwischenstaatliche Organisation, durfte man nicht in die Unterkünfte selbst. Außer den Schlafgelegenheiten ist in dem Camp nicht viel vorhanden. Es gibt ein kleines Schulgebäude in einem bedauerlichen Zustand, in dem vor langer Zeit mal Unterricht angeboten wurde. Daneben ist ein kleiner Spielplatz, welcher in Deutschland zwecks Sicherheitsbedenken schon längst geschlossen worden wäre. Das Highlight an moderner Ausstattung sind geschätzt 40 Minibacköfen inklusive Herdplatten, mit denen die Bewohner kochen können.
Als Teil einer Hilfsorganisation vor Ort bekam ich vor Ort die Möglichkeit mitzugestalten. Wer immer eine Idee und Muße zur Umsetzung hatte, konnte nach Absprache mit der Camp-Leitung loslegen. In der Zeit, in der ich da war, versuchten wir, einen kleinen Garten herzurichten, wir bauten einen Sandkasten und kurze Zeit nach meiner Abreise wurde für die Kinder mit Spraydosen ein dauerhaftes Hüpfspiel auf den Boden gemalt – ja, es sind Kleinigkeiten, aber sie machen das Bild, das sich bot, etwas bunter.
Kernaufgabe war allerdings das mittägliche Kochen. In einem uralten Postauto transportierten wir morgens gegen 10 Uhr die Kochutensilien ins Camp und bauten die Kochstelle auf. Die Idee war, mit den Geflüchteten gemeinsam zu kochen und diese auch zur ermuntern, eigene Rezepte mitzubringen und die Leitung beim Kochen zu übernehmen. Die Umsetzung klappte gut. Neben den erwachsenen Helfern sah man sich allerdings auch regelmäßig von zahlreichen Kindern umgeben, die unbedingt mithelfen wollten. Diese auf den Nachmittag zu vertrösten, an dem das Kinderprogramm geplant war, war nicht immer leicht.
Bis das Mittagessen zubereitet und verteilt war, war meist 15 Uhr. Während der Zeit im Camp stieß ich bald auf die Frage, wie ich mich eigentlich richtig verhalte. Was darf ich und was lass ich lieber bleiben. Wenn man sich die offiziellen Verhaltensregeln von Hilfsorganisationen durchliest, stößt man immer auf ähnliche Aussagen: „Behandele alle Geflüchteten gleich und favorisiere keinen“; „Baue keine persönliche Bindung auf“. Was das im Einzelfall bedeutet, fand ich teilweise schwer zu bestimmen. Während des Kochens hat man beispielsweise viel Zeit für Gespräche. Nur wenige der Bewohner können allerdings Englisch, sodass ein engerer Kontakt nur zu einer kleinen Gruppe an Menschen entsteht. Ist das bereits ein Favorisieren Einzelner, das Spannungen im Camp verursacht? Oder beginnt das erst, wenn man den Wenigen dann eine Extra Portion Essen, Infos oder Materielles weitergibt? Bei einer anderen Gelegenheit brachte ich einer jungen Frau deutsche Vokabeln bei. War das okay? Man könnte sagen, ich hätte eher Deutschunterricht organisieren müssen, zu dem alle Zugang haben. Damit läge keine Bevorzugung vor. Wenn dies aber im Moment nicht umsetzbar ist, helfe ich dann der Einzelperson auch nicht? Ich habe mich dazu entschlossen, lieber einer Person zu helfen, als gar keiner. Ob das richtig ist, weiß ich nicht.
An den Nachmittagen gestalteten wir für die Kinder des Camps ein buntes Bastel-, Mal- und Sportprogramm, bei dem immer ca. 30 Kinder im Alter zwischen zwei und fünfzehn Jahren anwesend waren. Wir bastelten Papierflieger und Traumfänger, bemalten Tiermasken, sprangen Seil und spielten Dosenwerfen.
Hier ein Beispiel, wie ein guter Tag ablief:
Wir kamen an und hatten ca. 90 Tiermasken im Vorhinein aus Papier ausgeschnitten, Löcher hineingebohrt und elastisches Band dabei. Die Kinder waren kontaktfreudig, sie kämpften gerne darum, wer einen beispielsweise an der Hand halten durfte. Die Kinder durften sich Masken aussuchen und bemalen. Da wir anfangs große Materialverluste hinnehmen mussten, bekam jedes Kind nur einen Stift, den es bei Bedarf gegen eine andere Farbe austauschen durfte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit klappte das gut. Die Kinder verschwanden nach und nach mit teils mehreren bunt bemalten, schönen Tiermasken.
Ein Beispiel, wie ein Chaos-Tag verlief:
Wir hatten uns für den Sporttag verschiedene Spiele ausgedacht: Dosenwerfen, Ringe werfen, Bowling. Unsere Spielgeräte stellten wir im Voraus kostengünstig selbst her. Wir recycelten alles Mögliche aus der Küche, wir sammelten Muscheln, Stöcke und Sand aus der Natur oder fragten bei Cafés nach, ob sie Flaschendeckel oder Ähnliches für uns sammeln könnten.
Als wir nun unsere verschiedenen Stationen aufbauten, bemerkten wir, dass der größte Spaß der Kinder an diesem Tag war, unsere Pläne zu durchkreuzen. Unsere mühsam aus Luftballons und Sand gebastelten Bälle wurden auseinandergenommen und mit den Dosen vom Dosenwerfen sind die Kinder davongerannt.
Wir Helfer waren eben auch keine Pädagogen und wussten nicht immer, was die beste Herangehensweise war. Es war ein Ausprobieren, ein langsames etablieren von Regeln und ein herausfinden, welche Spiele funktionieren und welche eben nicht.
Zur Zeit der Abreise am späten Nachmittag waren wir noch von vielen Kindern umgeben, die das Kinderprogramm wahrgenommen hatten. Diese begeisterten sich schnell für das Trittbrett an unserem Transporter, auf das sich einige gleichzeitig stellen konnten. Vom Zeitpunkt dieser Entdeckung an verzögerte sich unsere Abreise erheblich.
Ich kann kein Arabisch, kein Farsi oder eine der anderen Sprachen, die von den Kindern im Camp gesprochen wurden. Mein schnell erlerntes 'Yalla', was so viel heißt wie 'los, vorwärts', mit dem wir die Kinder zum Verlassen des Trittbretts auffordern wollten, wurde von diesen leicht ignoriert.
Bis zu meiner Abreise hatten die Kinder definitiv die Oberhand. Es dauerte zunehmend länger, das Camp zu verlassen. Ich bin gespannt, inwiefern sich das noch ändert.
Zweieinhalb Wochen war ich insgesamt vor Ort. Als ich meine Reise geplant habe, dachte ich, das ist lange. Vor Ort erschien es mir als sehr kurz. Unser Team bestand aus Freiwilligen aus verschiedensten Regionen der Welt und es war schön, in diesem bunten Team zu arbeiten.
Wenn ihr euch vorstellen könnt, mit Geflüchteten zu kochen oder ein Kinderprogramm auf die Beine zu stellen, habt ihr jederzeit die Möglichkeit dazu. Wendet euch an Taten statt Warten oder foodKIND und ihr könnt am gleichen Einsatzort helfen. Je nachdem in welchem Camp ihr arbeitet, können sich eure Erfahrungen schon wesentlich unterscheiden. Es gibt gut geführte Camps mit Schulen, Umsonstläden, Sport- und Kulurveranstaltungen und es gibt Camps, wie auf der Insel Lesbos, in denen immer noch ein fortwährender Ausnahmezustand herrscht. Wie auch eure Erlebnisse sind, ihr könnt auf jeden Fall darüber berichten.
Bis dahin,
Iris
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Donnerstag, 22. November 2018
Dienstag, 25. Juli 2017
Update!
Ihr Lieben,
Wir melden uns aus einem Berg von Veranstaltungen, Prüfungen und Orgakram zurück im Ring.
Hier geht’s direkt zu dem was ansteht.
Jetzt kommt erst einmal die Zusammenfassung dessen, was war:
Crowdfunding
Als aller erstes möchten wir an dieser Stelle voller Stolz nochmals verkünden, dass unsere Crowdfunding-Seite online ist. Bitte teilt diese, informiert und spendet, damit wir unser Ziel erreichen und die Situation in Griechenland für einige Menschen dort etwas besser machen können.
Vakuum Festival in Magdeburg am 02. Juli 2017
Beim Vakuum Festival in Magdeburg wurde uns großartigerweise die Möglichkeit gegeben, allen Interessierten von unseren Erlebnissen in Griechenland, der dortigen Situation und unserer Arbeit zu erzählen. Für uns stellen sich solche Möglichkeiten, zu berichten, immer als großer Schatz dar. Danke an die Veranstalter des Festivals, an Iris, Lars und Thilo von Taten statt Warten und an alle Interessierten und Zuhörer!
Beim Campusfest am Steintor standen wir ebenfalls mit Informationen und Kuchen für euch bereit. Dabei haben sich tolle Gespräche entwickelt und die Stimmung war klasse. Durch eure Kuchenspenden habt ihr wieder ein kleines Stück Mehrwert für die Geflüchteten in Griechenland gebracht. Danke dafür.
Ebenfalls Kuchen konntet ihr beim Sportfest für Jedermensch auf dem Unisportplatz am 08. Juli 2017 bekommen. Leider hat das Wetter dort nicht so richtig mitgespielt.
Griechenlandfahrt
Abgesehen von unseren lokalen Events sind zur Zeit zwei von unserem Team wieder in Griechenland, um dort bei einem universitären Projekt ebenfalls Hilfe für Geflüchtete, im Sinne von Bildung, zu leisten. Das ist für uns als Taten statt Warten nützlich, da wir dadurch mit aktuellen Informationen über die Lage vor Ort in Griechenland aus erster Hand versorgt werden.
Wir als Team haben uns gegen eine zweite Fahrt im Sommer 2017 entschieden, weil einerseits die Reisekosten immens hoch gewesen wären und andererseits in den Sommermonaten schon sehr viele Freiwillige in Griechenland Hilfe leisten. Eine nächste Fahrt planen wir für Ende des Jahres oder den Beginn des nächsten. Willst du mitfahren, dann melde dich gerne bei uns! Am einfachsten sind wir über Facebook oder Email erreichbar.
Wir haben eine kleine Fluktuation in unserem Vorstand gehabt, die wir euch nicht vorenthalten wollen:
Marco ist als Vorsitzender zurückgetreten, weil ihm momentan die Zeit fehlt. Deshalb besteht unser neuer Vorstand nun aus einem Dreiergespann aus Frauen. Fiona als Schatzmeisterin ist geblieben, Sina ist neue Vizevorsitzende und Hannah hat den Vorsitz übernommen. Und damit ihr die Gesichter nicht vergesst haben wir ein pitschnasses, sehr müdes Foto nach der Sitzung für euch gemacht. 😝Von links nach rechts: Fiona, Hannah, Sina.
Was ansteht:
Soli Party - Tanzen statt Warten
Am 28. Oktober 2017 findet unsere nächste Soliparty im LaBim statt. Mit großer Vorfreude können wir verkünden, dass ihr dort den Film Raving Iran ansehen könnt. Außerdem könnt ihr euch auf tolle DJs und ne super Stimmung gefasst machen. Mehr Details werdet ihr bald auf unserer Facebook-Seite erfahren. Ihr könnt gespannt sein.
Mitglieder
Wir sind nach wie vor auf der Suche nach kreativen, engagierten oder auch einfach nur neugierigen neuen Köpfen. Wir freuen uns über jedes neue Gesicht bei unseren Treffen. Zur Zeit befinden wir uns in einer kleinen Sommerpause, da kaum jemand von uns in Halle ist; unsere Türen stehen dennoch immer offen für euch. Bitte schreibt uns oder kommt zu einem der nächsten Treffen, die wir auf Facebook veröffentlichen werden.
Als junger Verein leben wir von neuen Ideen und vielen Menschen, die ein bisschen Zeit und Mühe in das Projekt stecken, damit wir wachsen können.
Danke fürs Lesen, Spenden und Teilen.
Wir werden euch jetzt wieder regelmäßig mit Infos versorgen. Bleibt also dran. Aboniert uns und verpasst nichts - and keep updated. =)
Geschrieben von: Hannah
Mittwoch, 21. Juni 2017
Endlich! Unser neues Vereinskonto
Nach einigem Hin und Her ist es nun endlich so weit: Unser neues Vereinskonto ist eröffnet!
Es wird unter anderem auch für unser Crowd-Funding-Projekt benötigt - jetzt steht alles bereit und die nächsten Pläne können geschmiedet werden!
Ab sofort können wieder Spenden entgegengenommen werden; über das Crowd-Funding oder auch per Überweisung direkt auf das Konto:
Taten statt Warten
DE77 8005 3762 1894 0741 02
Verwendungszweck: Spende, Name
(Falls eine Spendenquittung benötigt wird, bitte die Anschrift oder uns direkt über unsere Mail kontaktieren.)
Ein riesiges Dankeschön an alle unsere Unterstützer!
Es wird unter anderem auch für unser Crowd-Funding-Projekt benötigt - jetzt steht alles bereit und die nächsten Pläne können geschmiedet werden!
Ab sofort können wieder Spenden entgegengenommen werden; über das Crowd-Funding oder auch per Überweisung direkt auf das Konto:
Taten statt Warten
DE77 8005 3762 1894 0741 02
Verwendungszweck: Spende, Name
(Falls eine Spendenquittung benötigt wird, bitte die Anschrift oder uns direkt über unsere Mail kontaktieren.)
Ein riesiges Dankeschön an alle unsere Unterstützer!
Montag, 19. Juni 2017
Ein Blick in den Alltag der Geflüchteten
An unserem zweiten Einsatzort im Süden Griechenlands hat sich unsere Arbeit auf zwei Fabrikhallen konzentriert. Derzeit leben dort verteilt auf die zwei Gebäude ungefähr 150 Geflüchtete, die meisten von ihnen sind aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran.
Das Leben, welches die Männer in den Fabriken führen, ist unfassbar. Sie schlafen dort in kleinen Zelten oder auf dem blanken Holzboden. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Überall liegen Müllberge, welche ersichtlich machen, dass die Fabriken seit Jahren Zwischenstopp für viele Menschen auf der Flucht sind. Sie hausen dort inmitten alter, rostiger Maschinen, viele Teile der Fabriken sind zerfallen, alles ist offen, ehemals vorhandene Scheiben sind zerbrochen. Es ist kein Wunder, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten. Die Organisation FoodKIND, welche wir vor Ort unterstützt haben, hat daher bei den Essensauslieferungen auch versucht, eine medizinische Versorgung zu leisten. Die Freiwilligen haben Wunden gereinigt und behandelt, Schmerzmittel, sowie andere Medikamente verteilt. Doch bei gewissen gesundheitlichen Problemen ist einfach ein Arzt nötig. An unserem vorletzten Tag dort ist ein Team freiwilliger Ärzte und Krankenschwestern mit uns zu den Fabriken gekommen, um die Geflüchteten mit Beschwerden zu untersuchen und so gut wie möglich zu behandeln. Auch sie haben hauptsächlich Schmerzgels und Tabletten verteilt. Einige hatten aufgrund der Folter durch die Taliban oder durch Schläge der Polizei schlimme Verletzungen am ganzen Körper. Andere haben unter Magenproblemen oder Krätze gelitten. Das Risiko der Ansteckung ist unter den dortigen Lebensbedingungen natürlich besonders hoch. Die Ärzte haben daher eine umgehende Behandlung der Männer angeordnet, die sich mit Krätze infiziert hatten. Dazu waren neben der Salbe auch neue Kleidung und Schlafsachen nötig. Diese konnten von FoodKIND gestellt werden und auch wir nutzen einen geringen Teil unserer gesammelten Spenden, um neue Kleidung zu kaufen.
Die Geflüchteten in den Fabriken haben versucht, sich das Nötigste irgendwie einzurichten. So gibt es eine Stelle, an der sich alle waschen, rasieren und sich die Zähne putzen können. Gibt es gespendete Hygieneartikel, so werden sie an die Menschen verteilt- meist sind es Zahnbürsten, Zahnpasta, Rasierer und Duschgel.
Die Stromversorgung in den Fabriken ist sehr schwierig; in der einen Fabrik gibt es immerhin eine kleine Lampe. Ihre Handys laden die Geflüchteten an provisorischen Multi-Steckdosen. Wie wichtig diese sind, kann man sich gut vorstellen- sind sie doch die einzige Möglichkeit für die Menschen, Kontakt zur Familie zu halten. Auch wir haben schnell gemerkt, wie wichtig soziale Kontakte und Gespräche sind. Da einige der Männer perfekt Englisch, zwei von ihnen sogar Deutsch sprechen konnten, hatten wir die Möglichkeit, uns mit ihnen auszutauschen. Es hat uns erstaunt, wie viel die Menschen bereit waren, von ihren Erlebnissen und Gefühlen preiszugeben. Vieles von dem, was wir hörten, war einfach nur schockierend. Sie berichteten von Willkür, Verfolgung und Folter in ihren Heimatländern. Einige von ihnen haben bereits mehrere Jahre in England oder Deutschland gelebt, haben dort gearbeitet und wurden aus verschiedensten Gründen zurückgeschickt oder durften nicht wieder einreisen.
Letztlich ist die Situation für die Männer in den Fabriken schwer auszuhalten. Wir konnten daran nur wenig ändern- unser Beitrag musste sich im Grunde auf die Essensvergabe und einige Sachspenden beschränken. Wir wollen jedoch wiederkommen. Wir haben die Situation wahrgenommen und erkannt, das etwas daran geändert werden muss. Unsere Hilfe wird also weitergehen – wir werden hier in Halle wieder Spendenaktionen starten und Geld sammeln. Wir werden Aufmerksamkeit für das Thema schaffen und wieder nach Griechenland reisen.
Das Leben, welches die Männer in den Fabriken führen, ist unfassbar. Sie schlafen dort in kleinen Zelten oder auf dem blanken Holzboden. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Überall liegen Müllberge, welche ersichtlich machen, dass die Fabriken seit Jahren Zwischenstopp für viele Menschen auf der Flucht sind. Sie hausen dort inmitten alter, rostiger Maschinen, viele Teile der Fabriken sind zerfallen, alles ist offen, ehemals vorhandene Scheiben sind zerbrochen. Es ist kein Wunder, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten. Die Organisation FoodKIND, welche wir vor Ort unterstützt haben, hat daher bei den Essensauslieferungen auch versucht, eine medizinische Versorgung zu leisten. Die Freiwilligen haben Wunden gereinigt und behandelt, Schmerzmittel, sowie andere Medikamente verteilt. Doch bei gewissen gesundheitlichen Problemen ist einfach ein Arzt nötig. An unserem vorletzten Tag dort ist ein Team freiwilliger Ärzte und Krankenschwestern mit uns zu den Fabriken gekommen, um die Geflüchteten mit Beschwerden zu untersuchen und so gut wie möglich zu behandeln. Auch sie haben hauptsächlich Schmerzgels und Tabletten verteilt. Einige hatten aufgrund der Folter durch die Taliban oder durch Schläge der Polizei schlimme Verletzungen am ganzen Körper. Andere haben unter Magenproblemen oder Krätze gelitten. Das Risiko der Ansteckung ist unter den dortigen Lebensbedingungen natürlich besonders hoch. Die Ärzte haben daher eine umgehende Behandlung der Männer angeordnet, die sich mit Krätze infiziert hatten. Dazu waren neben der Salbe auch neue Kleidung und Schlafsachen nötig. Diese konnten von FoodKIND gestellt werden und auch wir nutzen einen geringen Teil unserer gesammelten Spenden, um neue Kleidung zu kaufen.
Die Geflüchteten in den Fabriken haben versucht, sich das Nötigste irgendwie einzurichten. So gibt es eine Stelle, an der sich alle waschen, rasieren und sich die Zähne putzen können. Gibt es gespendete Hygieneartikel, so werden sie an die Menschen verteilt- meist sind es Zahnbürsten, Zahnpasta, Rasierer und Duschgel.
Die Stromversorgung in den Fabriken ist sehr schwierig; in der einen Fabrik gibt es immerhin eine kleine Lampe. Ihre Handys laden die Geflüchteten an provisorischen Multi-Steckdosen. Wie wichtig diese sind, kann man sich gut vorstellen- sind sie doch die einzige Möglichkeit für die Menschen, Kontakt zur Familie zu halten. Auch wir haben schnell gemerkt, wie wichtig soziale Kontakte und Gespräche sind. Da einige der Männer perfekt Englisch, zwei von ihnen sogar Deutsch sprechen konnten, hatten wir die Möglichkeit, uns mit ihnen auszutauschen. Es hat uns erstaunt, wie viel die Menschen bereit waren, von ihren Erlebnissen und Gefühlen preiszugeben. Vieles von dem, was wir hörten, war einfach nur schockierend. Sie berichteten von Willkür, Verfolgung und Folter in ihren Heimatländern. Einige von ihnen haben bereits mehrere Jahre in England oder Deutschland gelebt, haben dort gearbeitet und wurden aus verschiedensten Gründen zurückgeschickt oder durften nicht wieder einreisen.
Letztlich ist die Situation für die Männer in den Fabriken schwer auszuhalten. Wir konnten daran nur wenig ändern- unser Beitrag musste sich im Grunde auf die Essensvergabe und einige Sachspenden beschränken. Wir wollen jedoch wiederkommen. Wir haben die Situation wahrgenommen und erkannt, das etwas daran geändert werden muss. Unsere Hilfe wird also weitergehen – wir werden hier in Halle wieder Spendenaktionen starten und Geld sammeln. Wir werden Aufmerksamkeit für das Thema schaffen und wieder nach Griechenland reisen.
Seitdem wir wieder in Deutschland angekommen sind, hat sich unsere Gruppe wieder zu regelmäßigen Treffen zusammengefunden. Wir haben unseren Leuten, die hier geblieben sind, von den Erlebnissen erzählt und uns ausgetauscht, wie uns das Gesehene und Erlebte bewegt hat. So etwas ist wichtig, denn es fällt uns allen etwas schwer, nach den Erlebnissen in Griechenland wieder in den Alltag einzutauchen. Das Wissen, dass wir hier in Halle aktiv bleiben und uns weiter mit der Thematik beschäftigen, hilft. Ihr werdet also bald wieder von uns hören, live oder wenn wir hier auf dem Blog über unsere Aktivitäten berichten!
geschrieben von: Iris
Sonntag, 14. Mai 2017
#3&4 Fußball und Kochen
An unserem dritten Arbeitstag in Thessaloniki beschlossen wir, unsere Gruppe zu teilen.
Marco fuhr zur SoulFood Kitchen, um dort mit anderen Freiwilligen Essen für obdachlose Geflüchtete zuzubereiten und auszuliefern.
Der Rest unseres Teams war für ein Großevent im Herzen von Thessaloniki angefragt worden. Dabei handelte es sich um eine Art Festival, für das die Menschen aus vielen umliegenden Flüchtlingscamps mit Bussen zu der Location gebracht wurden: Das Family-Football Event stand im Rahmen des Fußballspiels Barcelona gegen Madrid, welches am späteren Abend live auf Großleinwand zu sehen war.
Unsere Aufgabe an diesem Tag bestand darin, an unterschiedlichsten Ständen auszuhelfen. Während Hannah und Iris den (meist) syrischen Kindern ein Lächeln entlockten, indem sie mit Schminke Schmetterlinge, Spiderman oder Herzchen auf ihre Gesichter zauberten, betreuten Sarah und Nouri die Hüpfburg, damit sich keines der Kinder verletzte. Auch am Women-Safeplace Zelt wurden Schichten von unserem Team übernommen.
Im Großen und Ganzen war es ein Tag, an dem wir als Helfer das Gefühl hatten, für die Geflüchteten eine willkommene und gern angenommene Abwechslung geschaffen zu haben; mit Musik,Tanz und Kicker, Clownshows für die Kinder, der Möglichkeit sich an einer Wand künstlerisch zu verewigen, Essen und Trinken, sowie sportlicher Aktivität.
Der vierte Tag in Thessaloniki nahm uns wieder als Team im Ganzen
in Beschlag. Einige von uns starteten bereits am Morgen mit ihrer
Arbeit in der SoulFood Kitchen, während der Rest im angrenzenden
Warehouse wieder Sachen sortierte und Pakete für Flüchtlingsfamilien
packte. Gegen Nachmittag bereiteten wir dann alle das Essen für den
Abend vor und halfen, es noch zu verpacken. Insgesamt konnten 130
Portionen Essen in Thessaloniki verteilt werden.
Natürlich haben wir für euch alles bebildert. Für noch mehr kleine Impressionen könnt ihr auch gerne auf unserer Facebook-Seite vorbeischauen.
Marco fuhr zur SoulFood Kitchen, um dort mit anderen Freiwilligen Essen für obdachlose Geflüchtete zuzubereiten und auszuliefern.
Unsere Aufgabe an diesem Tag bestand darin, an unterschiedlichsten Ständen auszuhelfen. Während Hannah und Iris den (meist) syrischen Kindern ein Lächeln entlockten, indem sie mit Schminke Schmetterlinge, Spiderman oder Herzchen auf ihre Gesichter zauberten, betreuten Sarah und Nouri die Hüpfburg, damit sich keines der Kinder verletzte. Auch am Women-Safeplace Zelt wurden Schichten von unserem Team übernommen.
Im Großen und Ganzen war es ein Tag, an dem wir als Helfer das Gefühl hatten, für die Geflüchteten eine willkommene und gern angenommene Abwechslung geschaffen zu haben; mit Musik,Tanz und Kicker, Clownshows für die Kinder, der Möglichkeit sich an einer Wand künstlerisch zu verewigen, Essen und Trinken, sowie sportlicher Aktivität.
Der vierte Tag in Thessaloniki nahm uns wieder als Team im Ganzen
in Beschlag. Einige von uns starteten bereits am Morgen mit ihrer
Arbeit in der SoulFood Kitchen, während der Rest im angrenzenden
Warehouse wieder Sachen sortierte und Pakete für Flüchtlingsfamilien
packte. Gegen Nachmittag bereiteten wir dann alle das Essen für den
Abend vor und halfen, es noch zu verpacken. Insgesamt konnten 130
Portionen Essen in Thessaloniki verteilt werden.Natürlich haben wir für euch alles bebildert. Für noch mehr kleine Impressionen könnt ihr auch gerne auf unserer Facebook-Seite vorbeischauen.
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Donnerstag, 20. April 2017
Gemeinnützig nach Thessaloniki. Was war, was ist, was sein wird
PS: Wer keine Lust auf das Vergangene hat, sondern nach vorne schauen möchte: Bitte einfach bis zur entsprechenden Überschrift runterscrollen :D
Was war die letzten Wochen passiert?
Hier ein kurzer Überblick der vergangenen Veranstaltungen und Soli-Aktionen. Vielen Dank nochmals allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Dank euch haben wir in den letzten Wochen nochmal viele Spendengelder sammeln können, welche nun direkt umgesetzt werden.
- 25.03.: 5. Flohmarkt für den Guten Zweck
- 26.03.: Veganer Potluck
- 30.03.: Tanzen Statt Warten
- 05.04.: Kuchenbasar 1
- 12.04.: Kuchenbasar 2 / Kleidertausch
Los ging es mit dem 5. Flohmarkt für den Guten Zweck. Bei wunderbarem Wetter zog es viele Leute auf die Peißnitzinsel, sodass es ein rundum schöner Nachmittag war. Weil fleißig gespendet wurde (über 400€) stieg die Motivation für die kommenden Veranstaltungen und mit diesen Hochgefühlen ging es dann auch weiter…
... und zwar schon am nächsten Tag. Dort sammelten nämlich "Vegan in Halle" beim Potluck ebenso Gelder für uns. In heimeliger Atmosphäre wurde gebruncht, geschwatzt und gelacht. Mit dieser Stärkung im Bauch konnten wir eigentlich schon fast in der Goldenen Rose bleiben, da es wenige Tage genau hier weiterging.
Es durfte zum Tanzen und zuhören geladen werden. Bevor die Schuhsohlen einem Härtetest unterzogen wurden, spielte der Akustik-Sprechgesangsmusiker Leprechaun vor der Bar, sodass man mit kühlen Getränken versorgt bis in Nacht feiern konnte. Dazu legten die beiden DJ‘s Aemute und Herr Sakas auf. Bei so viel verbrannten Kalorien ging es dann erstmal in die heimische Backstube…
… um sich für Kuchenbasar # 01 zu wappnen. Dieser fand neben der Buse zur Tulpe auf dem Universitätsplatz der MLU Halle-Wittenberg statt. Wer Lust hatte konnte sich diverse Kuchen gegen eine Spende einverleiben. Dass alle Konditor*innen ihr Handwerk verstanden, zeigte sich bereits kurz vor 16.00 Uhr, als alle Kuchen, Torten und Muffins restlos in Spendengelder umgewandelt worden sind. Die Message von euch kam an. So ging es mit neuen Angebot in die nächste Woche…
… zum Kuchenbasar # 02. Und man war das viel. Nur wenige von den Ofenspezialitäten blieben über. Wir haben versucht die Wünsche der vergangenen Woche zu erfüllen und so gab es noch mehr glutenfreie und vegane Angebote, welche auch zu Hauf angenommen wurden. Gefühlt brauchten wir generell mehr als zwei Tische, um alles anbieten zu können. Es hat sich gelohnt: Insgesamt kamen bei beiden Verkäufen circa 450€ an zusätzlichen Spendengeldern zusammen.
Ebenso cool war der Kleidertausch, nur 10 Meter neben unseren Stand. Nach anfänglichen abtasten kamen auch hier eine Menge Leute, um zu spenden und eben um zu tauschen. Die übrigen Sachen wurden sortiert und anschließend an eine Sammelstelle für Kleidung weitergegeben. Das schöne für uns waren die Kindersachen, welche vermutlich gerade jetzt in Griechenland eintreffen, womit wir schon beim Präsens angelangt sind.
Was ist der aktuelle Stand?
Das vielleicht Wichtigste für uns ist die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Und zwar deshalb, da dadurch die Crowdfunding-Kampagne ohne Sorgen gestartet werden kann (mehr dazu in den kommenden Wochen). Ansonsten ging es bei den letzten beiden Treffen und via Social-Media hauptsächlich um die bevorstehende Reise und logistische Folgefragen. Es folgt ein kurzer Ausschnitt:
„Wer bucht die Tickets? Wie kommen wir zum Flughafen? Mit dem Auto. Wer fährt und wo stellen wir das ab? Wann ist Abfahrt? ca. 6.00 Uhr. :( Wann kommen wir an? Hab ich vergessen das Licht auszumachen? Wie läuft das mit dem Auto in Griechenland ab? Was ist mit der Unterkunft (Essen, Sachen etc.)? Weiß James (Unser Vermittler und Abholer in Thessaloniki) Bescheid? Wie sehen die ersten Tage aus? Sind alle lieb zueinander? Ja, wir knuddeln uns nach der Sitzung :D “
Was wird passieren?
Im Rahmen des Projekts ist es früh klar geworden, dass es nach Thessaloniki geht. So ist es auch weiterhin. Bis vor kurzem war aber noch nicht so richtig klar geworden, was eigentlich gemacht werden soll. Deshalb hier ein kurzer Abriss über die ersten ein bis drei Tage (Bitte in Agentenstimme lesen):
Wem das Ganze zu abstrakt erscheint: Es ist in den ersten Tagen geplant in einem Ware-House Kleidung zu sortieren und auch auszuliefern. Einzelheiten werden sich vor Ort klären. Da zeitgleich die Leute von Grenzenlose Wärme da sind werden, werden wir von ihren bestehenden Kontakten profitieren und so weitere Arbeit bekommen. Das Schöne daran: Ihr verpasst nichts und es werden auf Facebook aktuelle Photos und kleine Tagebucheinträge online gestellt. Diese kann man ab sofort jeden Tag lesen und so das Geschehen in Thessaloniki weiter folgen.
Das war es mit dem Blogeintrag. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen. Das Wichtigste zum Schluss: Viel Erfolg und eine gute, konstruktive Arbeit in Thessaloniki unseren Helfer*innen in Griechenland, welche mit eurer Unterstützung erst da sein können um anderen zu helfen: Hannah, Iris, Noah, Marco, Sarah und Sina :D und allen Leser*innen, Spender*innen und Unterstützer*innen, welche in der kurzen Zeit bei der Verbreitung und Umsetzung des Projektres mitgewirkt haben.
Liebe Grüße,
Taten Statt Warten
TatenStattWarten auf Facebook: https://www.facebook.com/TatenstattWarten/
Grenzenlose Wärme: https://www.facebook.com/GrenzenloseWaerme/
Gemeinde SoliDeo Halle: http://www.soli-deo.de/de/index.php
Vegan in Halle: https://www.facebook.com/vegan.halle/
geschrieben von: Lars
Sonntag, 16. April 2017
Geschafft: Wir sind gemeinnützig!
Es ist nun offiziell: Wir als Verein „Taten statt Warten - Gemeinsam für Geflüchtete in Griechenland“ sind gemeinnützig!
Doch was heißt das eigentlich? Wir dürfen allen Spender*innen nun Spendenquittungen aushändigen. Das macht die Unterstützung für viele Engagierte noch attraktiver und motiviert noch mehr Leute, uns finanziell zu helfen. Zusätzlich ist es uns nun möglich, öffentliche Gelder zu beantragen, sodass wir in Zukunft die Kosten besser kalkulieren können und die Finanzmittel noch zielgerichteter verwenden können. Für unsere Vereinsarbeit bedeutet die anerkannte Gemeinnützigkeit ebenfalls steuerliche Vorteile, sodass die Spenden ohne Mehraufwand den Geflüchteten in Griechenland zur Verfügung stehen.
Wir sind froh, dass wir diesen großen Schritt geschafft haben und freuen uns auf Eure Hilfe für eine erfolgreiche Umsetzung und Weiterführung unseres Projekts!
Doch was heißt das eigentlich? Wir dürfen allen Spender*innen nun Spendenquittungen aushändigen. Das macht die Unterstützung für viele Engagierte noch attraktiver und motiviert noch mehr Leute, uns finanziell zu helfen. Zusätzlich ist es uns nun möglich, öffentliche Gelder zu beantragen, sodass wir in Zukunft die Kosten besser kalkulieren können und die Finanzmittel noch zielgerichteter verwenden können. Für unsere Vereinsarbeit bedeutet die anerkannte Gemeinnützigkeit ebenfalls steuerliche Vorteile, sodass die Spenden ohne Mehraufwand den Geflüchteten in Griechenland zur Verfügung stehen.
Wir sind froh, dass wir diesen großen Schritt geschafft haben und freuen uns auf Eure Hilfe für eine erfolgreiche Umsetzung und Weiterführung unseres Projekts!
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